VIRGINIA TECH

Gegen Mitternacht, als sich der Tag des blutigsten Massakers in der amerikanischen Geschichte auch in den atemlos trauernden Kabelsendern neigte, waren Opfer und Täter noch namenlos und, mutmaßlich, lagen am Tatort im Norris Building wohl noch unidentifizierte Leichname. In drei vorsichtigen Pressekonferenzen hatten sich Charles Steger, der Universitätspräsident, und sein campuseigener Polizeichef Wendell Flinchum, nicht einmal dazu verstehen wollen festzustellen, dass der Täter wohl der Täter war, wenn nach niemandem mehr gefahndet wird. Die Studenten, unter Schock eher kalt als trauernd, sprachen von „College Columbine“ und fragten, von TV-Reportern angestachelt, immer zorniger, warum sie nach den ersten beiden Morden in einem Schlafsaal am anderen Ende des Campus morgens um 7.15 Uhr nicht gewarnt wurden. Die Polizei hörte Zeugen, glaubte an eine Eifersuchtstat; Täter flüchtig. Kein Grund, 24.000 Studenten und 10.000 Angestellte, mehr als das halbe bukolisch verträumte Blackburg, Virginia, aufzuschrecken. Noch ist nicht mit allen ballistischen Feinheiten bewiesen, dass die beiden Taten von demselben Mann verübt wurden. Doch die Vorstellung, die Morde seien nicht verbunden, wäre noch schockierender.

Augenzeugen, die das unglaubliche Glück hatten, den Blick in die Augen des Mörders von Virginia Tech zu überleben, beschrieben ihn seinen Ausdruck als entschlossen, nicht hasserfüllt. Der Asiate in T-Shirt, schwarzer Weste und einer Kappe, gut 1,80 Meter groß, tötete ohne ein Wort. Er wechselte die Magazine seiner beiden Waffen vom Kaliber .22 und neun Millimeter, gewandt, feuerte viele Dutzend Mal, in offene Seminarräume und durch verbarrikadierte Türen und zögerte nie bei den Hinrichtungen. Als wisse er, dass er sich in die Geschichte schießen würde. Zwischen neun Uhr und 9.30 Uhr ermorderte der Mann im Norris-Gebäude des „Virginia Polytechnc Institute and University“-Campus 33 Menschen, Studenten und Lehrer, beim Deutsch- und Englischunterricht, in Seminaren der Ingenieurwissenschaften. Gerüchte, es handele sich um einen 24 Jahre alten Chinesen mit Studentenvisa, tauchen in einer Zeitung in Chicago auf. Einstweilen nur dort. Der Polizeichef der Universität gibt immerhin preis, dass man nach den ersten beiden Morden einen Zeugen („person of interest“) gesucht und außerhalb des Campus gefunden habe. Also womöglich doch zwei Täter? Hat er mit den beiden Bombendrohungen zu tun, die in der vergangenen Woche die Studenten nervten, ein Test der die Reaktionszeit der Campuspolizei?

Sicher scheint, dass die Opfer im Norris-Gebäude ihren Mörder nicht erkannten. Er schoss systematisch und unbedrängt, kein Fluch, keine Schwäche, verschwiegener Terror. Ein Student, Jamal Albarghouti, erwirbt sich einige Tage nationale Berühmtheit, indem er mit seinem Handy die kurze Belagerung des Gebäudes filmt. Man hört 27 Schüsse auf dem Film – CNN zählt sie - und die gebrüllten Order, er solle abhauen. Stunde um Stunde wird der junge Video-Kriegsreporter, wie es die Ironie will ein in Saudi-Arabien aufgewachsener Palästinenser, der Ingenieur werden will, immer wieder interviewt.

Frust, Fälschungen und Geschäfte im Internet Auch das Internet trägt Trauer Vier Minuten, bevor der Mörder sich grauenhaft entstellend ins Gesicht schoss, schickte die Universität die erste Email-Warnung an die Fakultäten. Um 9.50 Uhr ging an 31.000 Studenten und Angestellte per Email und Handy der Alarm: „Ein Bewaffneter treibt sich auf dem Campus herum. Bleiben Sie bis auf weiteres in Gebäuden, halten Sie sich von Fenstern fern.“ Sirenen heulten auf. Polizisten stürmten die mit vom Schützen mit Ketten blockierten Türen. Befehle wurden gebrüllt, Drohungen. Studenten rannten, die Hände über den Köpfen, über Sportplätze, in panischer Furcht, niedergeschossen zu werden. Manche hatten zwei Stunden in verdunkelten Räumen auf dem Boden verbracht. Andere, angeschossen, hatten ihren kleinen Raum mit Barrikaden gegen den Amokläufer verteidigt. Sie verbanden einander mit T-Shirts die Wunden. Helden durch den brutalen Zufall, am falschen Ort zur falschen Zeit intuitiv das Richtige tun zu müssen. Der ganze Tag war ein Crescendo des Grauens. Anschwellende Trauer in den Blogs, MySpace, College-Chatrooms. Erst war ja nur von einem Toten die Rede, dann von zweien, gegen Mittag waren es über 20, am Ende dann 33 Tote und mindestens 15, zum Teil schwer Verwundete, zum Teil um ihr Leben kämpfende Opfer. Alle sprechen, wie nach einer geheimen Abmachung, von „Tragödie“. Präsident George W. Bush in einem Beileidswort nachmittags um 16 Uhr. Er sendet Gebete, jede Hilfe des Bundes, die benötigt werden könnte, Schulen sollten sakrosankte Räume sein, meint er. Seine Sprecherin richtet allerdings auch aus, dass der Präsident niemals erwäge, an das Verfassungsrecht, Schusswaffen zu besitzen und zu tragen, zu rühren.



Das ist echt das schlimmste ueberhaupt alle sind voll geschockt gestern wurde unsere schule dann auch durchsucht verschiedene leute mussten ihre autos aufmachen, schliessfaecher wurden durchsucht und

18.4.07 14:25

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